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Vogelgrippe: Was man wissen muss, was jetzt zu tun ist

Welches sind die Auslöser der "aviären Influenza", welche Arten sind vom aktuellen Ausbruch besonders betroffen und wie lässt sich die Epidemie dauerhaft eindämmen? Wir haben die wichtigsten Infos und weiterführende Links für Euch zusammengestellt.

-   Was ist die Ursache der Vogelgrippe?

Die Namen „Vogelgrippe“ und „Aviäre Influenza“ stehen für einen Komplex von Krankheiten, die durch Influenza A-Viren verursacht werden. Die Naturform dieser Viren tragen Wildvögel seit jeher in sich; sie ist wenig ansteckend und nur wenige Tiere erkranken oder sterben daran. Springen diese Viren jedoch auf Hausgeflügel über, können sie zu hochaggressiven Formen mutieren. Das passiert besonders in großen Ställen, wo viele Hühner, Enten oder Gänse auf engem Raum leben.

Der neue, hochpathogene Erreger der Linie H5N1 tauchte erstmals vor fast 30 Jahren in einer Freiland-Geflügelzucht in Südchina auf. Durch den internationalen Handel mit Geflügel (der legal ist) und Wildtierschmuggel (illegal, aber unzureichend kontrolliert) breitete er sich rasch weltweit aus. Unsachgemäße Entsorgung von toten Tieren und Schlachtabfällen sowie die Ausbringung von infiziertem Kot als Dünger führten – und führen – dazu, dass sich auch Wildvögel mit dem mutierten Virus anstecken – und es vor allem über ihre Zugrouten weiterverbreiten.

Dutzende großer grauer Vögel, deren Silhouetten sich im glatten Wasser spiegeln.
Rastende Kraniche in einem Flachwassersee in Mecklenburg-Vorpommern. @ Günter Nowald/NABU

-  Welche Vogelarten sind von dem neuen, aggressiven Vogelgrippe-Virus betroffen?

Infektionen mit dem neuen H5N1-Virus sind weltweit inzwischen bei mehr als 400 Vogelarten nachgewiesen. Starben bei den ersten Ausbrüchen in den 1990er Jahren vor allem Wasservögel wie Schwäne, Gänse und Enten, sind mittlerweile auch Greifvögel, Möwen und seltene Seeschwalben betroffen. Seit Mitte Oktober dieses Jahres wütet der Erreger vor allem bei Kranichen, die derzeit zu Hunderttausenden in Nordost- und Nordwestdeutschland rasten. Ornithologen befürchten, dass bis zum Abklingen der derzeitigen Infektionswelle insgesamt tausende Vögel verenden werden.

So schlimm das ist: Die Gesamtpopulation des Eurasischen Kranichs ist groß genug, um die Einbrüche auf lange Sicht wieder auszugleichen. Anders ist dies bei seltenen Vogelarten, von denen nur noch wenige tausend oder hundert existieren: Für sie kann jede neue Vogelgrippe-Welle den Todesstoß bringen. Expertïnnen halten die neue, aggressive Variante des Virus für eine der größten weltweiten Bedrohungen der Biodiversität. Auch deshalb, weil diese anders als die weniger ansteckenden Varianten nicht nur in den Wintermonaten, sondern seit einigen Jahren zunehmend ganzjährig grassiert. 

Deutschlandkarte, auf der nachgewiesene Fälle von Vogelgrippe-Infektionen bei Wildvögeln und in Geflügelhaltungen markiert sind
Aktuelle Ausbreitung der Vogelgrippe in Deutschland, © Friedrich-Löffler-Institut

- Wie verbreitet ist die Vogelgrippe aktuell?

Das Virus grassiert zurzeit in ganz Europa, aber Deutschland ist besonders betroffen – besonders der Norden und Nordosten, wo viele Kraniche rasten. Auch im Landkreis Harburg hat es bereits erste Fälle gegeben; zwei Geflügelbetriebe in Tostedt sind gesperrt worden und mussten ihren gesamten Tierbestand töten lassen. Aktuelle Informationen finden sich auf den Seiten des Landkreises

 

-  Wie gefährlich ist das Virus für Menschen?

Seit 2003 wurden weltweit über 2600 Fälle nachgewiesen, in denen sich Menschen mit „aviärer Influenza“ infizierten, 1100 verliefen tödlich. Alle Erkrankten hatten vorher engen Kontakt zu infiziertem oder totem Zuchtgeflügel. Aus Deutschland sind bislang keine Infektionen nachgewiesen. Erkrankungen und Verdachtsfälle müssen jedoch den Gesundheitsämtern gemeldet werden; die Ständige Impfkommission STIKO und das Robert-Koch-Institut empfehlen Impfungen für alle, die direkten Kontakt mit Hausgeflügel haben oder tote Wildvögel bergen. 

 

Wichtig: Wer tote oder erkrankte Vögel beobachtet, sollte sie keinesfalls berühren, sondern Abstand halten und das Veterinäramt des Landkreises verständigen, Telefon: 04171 – 693 466 [email protected].

Warnschild an der Straße, Aufschrift "Wildvogelgeflügelpest Beobachtungsgebiet"
"Geflügelpest" ist die Bezeichnung für die neue, hochansteckende Variante des Virus © Iris Barthel/NABU

 Was hilft gegen die weitere Verbreitung des Virus?

Kurzfristig: das Melden von toten und sichtbar erkrankten Vögeln an die Veterinärämter. Je schneller infizierte Kadaver aus der Natur entfernt werden, desto geringer das Risiko, dass sich weitere Vögel anstecken, nicht zuletzt Aasfresser wie Rotmilane, Bussarde und Rabenvögel.

Langfristig: das Ende der Massentierhaltung von Geflügel, die Biologen als Hauptquelle der neuen, aggressiven Vogelgrippe-Viren ansehen. Drastische Einschränkungen des weltweiten Nutztierhandels und schärfere Kontrollen illegaler Wildtierimporte könnten die Epidemie weiter eindämmen.

 

Hoffnung setzen Vogelschützer auch in die 2024 verabschiedete europäische Renaturierungsverordnung. Sie verpflichtet alle Staaten, in den nächsten Jahren Lebensräume auf großer Fläche ökologisch aufzuwerten. Zahlreiche Renaturierungsprojekte an Seen und Mooren haben den Kranichen vor Jahrzehnten zu einem Comeback verholfen – mehr Natur kann der Schlüssel sein, nicht nur sie, sondern zahlreiche andere Arten zu retten.

Wer mehr über die Vogelgrippe wissen will, ihre Ursachen, Auswirkungen und mögliche Strategien zu ihrer Bekämpfung: Hier sind eine Reihe  vertrauenswürdiger Quellen, denen auch die oben genannten Infos entnommen sind.

Besonders empfehlenswert sind die Berichte und Interviews des Journalisten und Vogelexperten Thomas Krumenacker, der seit Jahren zum Thema Vogelgrippe recherchiert. Sie sind u.a. im Online-Magazin „Riffreporter“ nachzulesen, teils frei, teils für kleines Geld per Einzelkauf zugänglich

Empfehlenswert auch dieses Interview mit dem Geschäftsführer von Kranichschutz Deutschland, Günter Nowald, im Deutschlandfunk; außerdem die Info-Seiten des Robert-Koch-Instituts, der Max-Planck-Gesellschaft und des Friedrich-Loeffler-Instituts.

 

Weil es auch Stimmen gibt, die fordern, dem Virus freien Lauf zu lassen, um natürliche Resistenzen aufzubauen: Hier erklärt ein Tiermediziner des Friedrich-Loeffler-Instituts im Interview, warum das nicht nur keine gute, sondern eine gefährliche Strategie wäre. 

 

Update 16.11.25: Nach Angaben NGO "Kranichschutz Deutschland" sind mittlerweile allein bei uns 15.500 Kraniche durch die aktuelle Vogelgrippe-Welle verendet. Tendenz steigend, Dunkelziffer unbekannt. 

 

Die Vogelgrippe bedroht nicht nur Vögel: Im Südatlantik sind Zehntausende Seeelefanten an einer Infektion mit dem Virus der Aviären Influenza gestorben. 

 

Update 18.11.: Der NABU Brandenburg hat eine Petition gestartet, mit der Forderung, die Infektionswege gründlicher und transparenter als bisher zu verfolgen, Geflügelbetriebe und Schlachthöfe regelmäßig und beproben und einen Krisenstab zu bilden, dem auch Vogelkundler angehören sollen. Über 100.000 haben bereits unterschrieben, jetzt geht's darum, die 200.000 zu erreichen. 

 

Text: Johanna Romberg

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Kommentare: 12
  • #1

    Elisabeth Kanefendt (Dienstag, 11 November 2025 21:50)

    Super gut das ihr das Thema aufnehmt . Vielen Dank für die vielen Informationen, die zwar nicht beruhigen, aber ein Verständnis für die Entwicklung der Vogelgrippe ermöglichen.

  • #2

    Johanna (Donnerstag, 13 November 2025 10:27)

    Danke fürs Feedback, liebe Elisabeth!

  • #3

    Peter Mohr (Freitag, 14 November 2025 13:05)

    Vielen Dank für die vielen Informationen.
    Ergänzend möchte ich gern auf die Bedeutung der industriellen Landwirtschaft bei der Verbreitung der Vogelgrippe hinweisen. Was die Entwicklung der Vogelgrippe bei Wildvögeln wie den Kranichen, die regelmäßig alle Jahre wieder mit leicht angepasstem "Kleid" daher kommt, betrifft, so können wir an der Tatsache an sich wenig verändern, denn Grippeviren gibt es bereits seit Jahrtausenden und es dürfte kaum gelingen sie in der Wildtierpopulation auszumerzen.
    Aber wir können die durch die industrielle Landwirtschaft verursachte zusätzliche Belastung für die Wildvögel reduzieren. Denn durch Umweltgifte verursachte Belastungen, welche zu einem Großteil aus der Landwirtschaft stammen (Pestitzide, Gülle, Überdüngung) werden die Wildvögel geschwächt und somit empfänglicher für das Virus, wie wir es gerade bei den Kranichen beobachten können. Die Sterblichkeit ist bedeutsam und liegt je nach Schätzung bei ca. 0,3-0,5 %. Das sind immerhin 3-5 Kraniche von 1000 die über uns hinweg fliegen. Die größere Gefahr ist bei den industriell gehaltenen Vögeln anzutreffen. Dort würden 40-60 % Sterben, wenn beim Auftreten nicht prophylaktisch gleich 100 % getötet würden.

    Obwohl die Zahl der beim Friedrich Löffler Institut registrierten verstorbenen Kraniche gemessen an anderen Jahren aktuell noch moderat ist, wenn auch jeder durch Umweltgifte verursachte Tod eines Wildvogels einer zu viel ist, meine ich, dass wir weniger auf die Bedrohung durch das Virus schauen sollten, als auf die Ursachen eines Arten- und Vogelsterbens, welches nicht allein durch die Vogelgrippe verursacht wird.

    Denn auch aktuell gilt die größte Sorge nicht wirklich den Wildvögeln, sondern vielmehr dem Schaden der durch die Grippe in der industriellen Massentierhaltung von Vögeln entstehen kann.
    Ohne eine grundlegend ökologische Bewirtschaftung unserer Landflächen wird das Artensterben weiter voranschreiten, während wir uns durch die Berichterstattung am Ende noch Sorgen machen, selbst von der Vogelgrippe befallen zu sein, was aktuell auch von Gesundheits-Institutionen wie dem RKI und anderen als äußerst unwahrscheinlich eingestuft wird.
    Von daher würde ich mich gegen ein zu ängstliches Umgehen mit diesem Thema aussprechen und denken, dass wir den Blick auf die wahren Verursacher nicht verlieren dürfen.

  • #4

    Johanna (Sonntag, 16 November 2025 12:29)

    Danke für Deinen Kommentar, Peter. Er stellt allerdings einige wesentliche Fakten falsch dar:
    1. Die aktuell grassierende Vogelgrippe-Virus ist nicht durch die Naturform des Influenza-A-Virus ausgelöst worden – die in der Tat vergleichsweise harmlos und wenig ansteckend ist – sondern durch eine Mutation, die nachweislich in einem südchinesischen Geflügelbetrieb entstanden und über den internationalen Handel nach Europa und auch in die USA eingeschleppt worden ist. Siehe Text oben, siehe auch die unten verlinkten Quellen. Diese Virus-Mutante ist nicht nur hochansteckend, sondern um ein Vielfaches tödlicher: Der aktuellen Infektionswelle sind allein in Deutschland bis jetzt 15.500 Kraniche zum Opfer gefallen (siehe Link oben), und die Zahlen dürften weiter steigen. Laut dem Leiter des NABU-Kranichschutzzentrums – auch das Interview mit ihm ist oben verlinkt – droht die Vogelgrippe in wenigen Wochen zunichte zu machen, was der Kranichschutz in Jahrzehnten erreicht hat.
    Was Du außerdem außer Acht lässt, obwohl ich es oben explizit geschrieben habe: Die Vogelgrippe betrifft nicht nur Kraniche (deren Population sich wegen ihrer geringen Reproduktionsrate nur langsam erholen dürfte), sondern auch seltene bzw selten gewordene Arten – Sturmtaucher, Brandseeschwalben, Dreizehenmöwen und andere Kolonie. Für diese kann das Virus existenzbedrohend sein. Das umso mehr, als es in den letzten Jahren zunehmend ganzjährig grassiert, also auch während der Brutsaison. Und leider nicht nur bei Vögeln: Seit 2022 ist die Population von See-Elefanten im Südatlantik um die Hälfte eingebrochen – durch Infektion mit dem neuen, hochaggressiven H5N1-Virus. (siehe weiterer Link oben) Ich kann wirklich nicht nachvollziehen, weshalb Du die Angst vor seiner weiteren Ausbreitung als übertrieben bezeichnest.
    2. Du behauptest einen direkten Zusammenhang zwischen industrieller Landwirtschaft und der Ausbreitung der Vogelgrippe. Dafür gibt es meines Wissens keinerlei Belege. Natürlich hat die industrielle Landwirtschaft fatale, und nachweisbare, Auswirkungen auf die gesamte Biodiversität, auch die Vogelpopulationen. Aber das Auftreten neuer, hochaggressiver Vogelgrippe-Viren geht eindeutig auf Geflügelwirtschaft und weltweiten Geflügelhandel zurück. Dort müssen Strategien gegen die Seuche ansetzen. Pauschale Schuldzuweisungen an die Landwirtschaft als Ganzes helfen ebensowenig weiter wie eine – ohnehin utopische – flächendeckende ökologische Bewirtschaftung weitere Vogelgrippe-Wellen und -Mutationen verhindern wird.
    3. Dass sich auch Menschen mit Vogelgrippe anstecken können, ist nicht so abwegig, wie Du es darstellst. Weltweit hat es, siehe oben, bereits 2600 Fälle gegeben, die zu über einem Drittel tödlich verlaufen sind. Dass wir auch auf unserer Seite auf die Gefahren einer Ansteckung hinweisen, scheint mir nicht übertrieben ängstlich, sondern dringend geboten.

  • #5

    Peter (Donnerstag, 20 November 2025 15:29)

    Hallo Johanna,
    Ich habe kein Interesse daran Deine Beahauptung ich würde einige wesentliche Fakten falsch darstellen zu widerlegen, auch weil dies eine weitestgehend differenzierte Betrachtung voraussetzt. Aus meiner Sicht hätte ich meinen Kommentar ebenfalls damit beginnen können, dass einige Deiner angeblichen Fakten falsch seien.
    Ich sehe es eher so, dass es zu gleich welchem Thema, ob es sich dabei um wissenschaftliche, individuelle oder auch politische Perspektiven handelt, immer verschiedene Perspektiven, Meinungen und man soll es nicht für Möglich halten, sogar abweichende Ergebnisse von wissenschaftlichen Studien gibt. Falsch und Richtig ist somit immer auch eine Frage der Perspektive. Ich werde die mitlesenden hier nicht langweilen und Dir im Detail meine gut begründete andere Sichtweise erläutern, denn zu den von Dir angegebenen Positionen gibt es sehr fundierte andere Zahlen und Ergebnisse.
    Und eine pauschale Schuldzuweisung an die Landwirtschaft habe ich nicht ausgesprochen!

  • #6

    Johanna (Montag, 24 November 2025 18:12)

    Hallo Peter,
    selbstverständlich darf und soll es zu jedem Thema unterschiedliche Positionen geben, auch zur Vogelgrippe. Aber wenn Du andere, nicht nur mich, davon überzeugen willst, dass Deine Meinung zutreffender ist als die Forschungsergebnisse der Fachleute, die sich seit vielen Jahren mit Zoonosen im allgemeinen und der Vogelgrippe im besonderen befassen, dann musst das schon begründen – mit konkreten "anderen Zahlen und Ergebnissen".
    Sonst bleibt Deine Meinung eben nichts weiter als das: eine Meinung.

  • #7

    Peter Mohr (Montag, 24 November 2025 18:58)

    Hallo Johanna,
    ich hätte es eigentlich gern dabei belassen wollen, weil ich an dieser Art der öffentlichen Auseinandersetzung kein Interesse habe, aber wenn Du so einen Wert darauf legst, kann ich Deine Falschaussagen gern belegen.
    Du behauptest: "Die aktuell grassierende Vogelgrippe-Virus ist nicht durch die Naturform des Influenza-A-Virus ausgelöst worden – die in der Tat vergleichsweise harmlos und wenig ansteckend ist – sondern durch eine Mutation, die nachweislich in einem südchinesischen Geflügelbetrieb entstanden und über den internationalen Handel nach Europa und auch in die USA eingeschleppt worden ist." Dabei unterscheidest Du in eine Naturform und eine Mutation, die aus einem Geflügelbetrieb über den Handel nach Europa gekommen ist.
    das ist leider nicht korrekt, denn es entspricht der Natur aller Viren zu Mutieren. Wie ich Dir bereits in einem persönlichen Post ausführlich beschrieben habe, tun Viren dies auf zwei Arten. Sie passen ihr Erscheinungsbild eigentlich ständig durch teilweise Veränderungen ihrer Oberflächenproteine an um vom Immunsystem schlechter erkannt und beseitigt zu werden. Denn das würde das Immunsystem mit Hilfe seiner Gedächtniszellen sehr effektiv erledigen, sobald ein bekannter Erreger in den Körper eintritt. Durch die permanenten Anpassungen ihres "äußeren" Erscheinungsbildes sichert sich das Virus sein überleben. Doch gelegentlich reicht diese Strategie nicht aus und um sich vor dem aussterben zu schützen greift das Virus zu einer radikaleren Strategie und verändert seine Oberflächenstruktur so radikal (es mutiert) auf eine Weise, die eine Erkennung nahezu unmöglich macht. Diese Mutanten sind es die uns sorgen bereiten könnten, weil sie besonders bei geschwächten Menschen oder Tieren zu einer relativ hohen Sterblichkeit führen können. (Die Spanische Grippe ist ein solches Beispiel bei der zahlreiche Todesfälle auftraten, weil die Menschen durch den Krieg in keiner guten Verfassung waren) Im Falle der Vogelgrippe, die besonders in Geflügelbetrieben hohe Todesraten verursachen kann, liegt dies ebenfalls zu einem nicht unerheblichen Teil an der Schwächung des Immunsystems der Vögel durch den regelmäßigen Antibiotika-Einsatz.

    Eine Unterscheidung in eine Naturform und Mutationen ist somit irreführend und suggeriert, dass es sich in den Geflügelbetrieben um eine künstliche Mutation handeln würde, was lediglich durch eine vom Menschen verursachte genetische Anpassung der Fall wäre. Dies ist jedoch nicht der Fall gewesen. Seit dem hat sich das Virus wahrscheinlich sehr häufig in kleinen und großen Schritten angepasst. Mann kann dies auch an den wissenschaftlich gebräuchlichen Ziffern hinter der Virus-Bezeichnung erkennen, die bei journalistischen Publikationen eher keinen Gebrauch finden.

    Dieser Umstand veranlasst mich zu der Aussage, dass die Industrielle Landwirtschaft (hier im Konkreten die Geflügelhaltung) durch den Gebrauch von Antibiotika einen nicht unwesentlichen Beitrag an dem Schaden verursacht den sie und einige Wissenschaftler gern allein dem Virus zuschreiben wollen. Würde das Virus aus sich heraus auch bei Wildgeflügel eine derart hohe Todesrate verursachen, könnte man es evtl. dem Virus zuschreiben, doch das ist nicht der Fall obwohl beim Vogelzug eine große Enge und ein sehr feuchtes Milieu unter den mehr als 450000 Kranichen beobachtet werden kann, die jährlich zu dieser Zeit Deutschland überqueren.

  • #8

    Peter Mohr (Montag, 24 November 2025 19:06)

    Weiterhin gibst Du Zahlen an, die zwar von so genannten Fachleuten verlautbart werden, die aber im Widerspruch zu jenen Zahlen stehen, die auf Grund des Seuchengesetzes verpflichtend erhoben werden müssen und die beim FLI (Friedrich Löffler Institut) registriert werden. Zudem zitierst Du ausschließlich Journalisten und keine wissenschaftlichen Studien und selbst die Statements von Mitarbeitern des FLI sind keine wissenschaftlichen Belege sondern persönliche Risiko-Einschätzungen dieser Mitarbeiter.

    Die 2600 Fälle von Vogelgrippe bei Menschen weltweit stimmen nicht mit den offiziellen Zahlen überein. Laut WHO-Statistik vom 25. August 2025 gab es seit 2003 lediglich 990 bestätigte schwere Fälle und 475 Todesfälle. Da es sich um eine meldepflichtige Krankheit handelt, sind diese Zahlen wichtig.

    Bei einer Weltbevölkerung von etwa 8 Milliarden Menschen entspricht das 0,000000594 % oder knapp 6 Fällen auf 100 Millionen Menschen über 22 Jahre.

    Nach 22 Jahren Erfahrung mit diesem Virus gibt es viele realistischere und bedeutendere Risiken für die Menschheit als die Vogelgrippe. Eine gefährliche Mutation ist zwar nicht ausgeschlossen, aber nach allem, was wir wissen, äußerst unwahrscheinlich. Das gilt auch für alle anderen Viren, die uns als Erreger einer „grippalen“ – genauer gesagt einer Infektion der oberen Atemwege – bekannt sind.

  • #9

    Peter Mohr (Montag, 24 November 2025 19:53)

    Zu den wesentlich bedeutenderen Risiken empfehle ich eine Dokumentation die in der ZDF Mediathek zu finden ist und die nicht nur 0,0000… % der Weltbevölkerung betrifft sondern alle Menschen und alle anderen Lebensformen auf diesem Planeten.
    PLASTIK
    https://www.zdf.de/dokus/homo-plasticus---das-plastik-in-uns-movie-100

    Zudem möchte ich nicht verpassen auf eine seit Corona extrem bedeutende wirtschaftliche Komponente hinzuweisen. Mit der Angst der Menschen verdient sich extrem gut Geld und mit wissenschaftlich mehr als nur unzureichend erforschten Mrna-Impfstoffen ist das ein Kinderspiel geworden. Da kommt die Angst vor egal welchen Viren gerade recht.

    So, mehr habe ich dazu wirklich nicht zu sagen. Das ist meine Position und jede meiner Aussagen ist wissenschaftlich unumstritten und leicht nachvollziehbar. Wie der Nabu damit umgehen möchte überlasse ich Euch gemeinsam.

  • #10

    Johanna (Dienstag, 25 November 2025 11:30)

    Wir sollten jetzt mal einen Punkt unter diese Diskussion machen, Peter. Du hast Deine Sicht der Dinge ausführlich dargelegt, auch Deine grundsätzliche Skepsis gegenüber der Wissenschaft; wer Dir darin folgen will, soll das tun.

    Ich halte mich, wie auch der NABU insgesamt, weiterhin an wissenschaftliche Quellen – siehe oben – sowie an Recherchen von Berufskollegen, die dies ebenfalls tun. Und deren Expertise und Professionalität ich aus erster Hand kenne.

    Die oben angegebenen Zahlen zu Vogelgrippe-Infektionen bei Menschen – 2600 Fälle weltweit, 1100 davon tödlich verlaufen – stammen vom RKI, das sich wiederum auf die WHO beruft; ich habe die Seite oben zusätzlich verlinkt.
    Die Genese der hochpathogenen Mutante des Vogelgrippe-Virus habe ich so wiedergegeben, wie sie in diversen wissenschaftlichen Quellen beschrieben ist – von RKI über FLI bis Max-Planck-Gesellschaft. Links siehe oben.

  • #11

    Peter Mohr (Dienstag, 25 November 2025 14:52)

    Den Punkt hatte ich bereits gemacht Johanna, doch leider versuchst Du erneut, deine Sicht auf die Vogelgrippe als wissenschaftlich fundiert und meine als wissenschaftsskeptisch abwertend zu beurteilen. So missbraucht man Wissenschaft, die in ihrer nicht machtpolitisch missbrauchten Form frei und von grundlegender Skepsis lebt.
    Im Gegensatz zu Dir halte ich mich lediglich nicht an Schätzungen, wie die auch vom RKI und anderen Institutionen verlautbart werden, sondern an konkret registrierte Fälle. Alles andere sind Hypothesen, die wissenschaftlich betrachtet zunächst einmal falsifiziert werden müssten, was jedoch nicht der Fall ist.
    Interessant finde ich, dass Du wie heute zunehmend üblich weniger auf meine inhaltliche Kritik eingehst und mich stattdessen versuchst in eine Ecke der Unglaubwürdigkeit zu positionieren. Das empfinde ich als Journalismus, wie er heute bedauerlicherweise allgegenwärtig zu sein Scheint. Punkt.

  • #12

    Elisabeth Petras (Dienstag, 25 November 2025 15:19)

    Bitte focussiert Euch auf Eure Schnittmengen, denn die Konseqenzen sind doch gleich:
    Stärkere Überwachung von Tier- und Kot-Transporten, systematische Überwachung großer Geflügelhaltungen durch (Kot-)Test vor Transport, der relativ einfach durchzuführen ist, vielleicht könnte das FLI einen Schnelltest entwickeln? Ergänzend ist die Pool-Testung des Abwassers von Schlachthöfen sinnvoll, um unentdeckte Ausbrüche (besonders bei Stall-Enten!) rechtzeitig zu erkennen und die Übertragungskette zu durchbrechen.