Es gibt sie noch, die guten Nachrichten aus dem Naturschutz. Sie gehen oft unter, weil sie in der Regel nicht von spektakulären Erfolgen handeln, sondern von kleinen Schritten, deren Effekte sich oft erst mit der Zeit zeigen. Von solch kleinen, aber wirksamen Eingriffen für mehr Artenvielfalt handelt der Jahresrückblick von „NaturPlus“, dem Newsletter der Umweltbehörde unseres Landkreises. Wir empfehlen ihn Euch wärmstens – mit ein paar Anmerkungen aus Hanstedter und Salzhäuser Sicht.
Die NaturPlus-Ausgabe 2025 gibt einen Überblick über die wichtigsten Pflege- und Renaturierungsmaßnahmen, die Mitarbeiterïnnen der Umweltbehörde im vergangenen Jahr geleistet haben – 35 insgesamt, wenn ich richtig gezählt habe. Die Fotos der Ausgabe zeigen eindrücklich, was auch wir jedes Jahr bei der Pflege unserer Flächen erfahren: Naturschutz ist ein Kraftakt, der nicht nur viele Hände, sondern oft auch den Einsatz von schwerem Gerät erfordert. Zu den wichtigsten Werkzeugen der Umweltbehörde gehörten im vergangenen Jahr Bagger, die neue Amphibienteiche aushoben, neue naturnahe Schleifen für begradigte Bäche zogen, sandige „Wildbienenkliffs“ aufschütteten oder Nistwände für Uferschwalben modellierten. Zum Einsatz kamen auch Rückepferde, die gefällte Baumstämme bodenschonend abtransportierten, und Robustrinder, die seit Mai 2025 im Naturschutzgebiet Heidemoor bei Ottermoor den Aufwuchs von unerwünschten Sträuchern und Bäumen kurzhalten. Nebenbei schaffen sie mit ihren Hufen wertvolle Kleinstbiotope für Insekten und lichtliebende Kräuter.
Gezielte Eingriffe schaffen neue Lebensräume – im Kleinen wie im Großen. Von links oben im Uhrzeigersinn: Aufgelockerter Waldrand für sonnenliebende Reptilien am Heidschnuckenweg, Fledermausquartier am Langenberg in Wulfsen, neue Amphibienquartiere an der Oste, blühende Bergsandglöckchen auf abgeplaggtem Magerrasen. Fotos © Gitta Baeuerle (2), Armin Hirt, Dario Mauermann
„Mehr Licht“ – das könnte ein übergreifendes Motto der Naturschutzarbeit in unserem Landkreis sein, der von Behörden ebenso wie der von ehrenamtlich Engagierten wie uns. Denn die meisten für unsere Region typischen Arten schätzen offene Landschaften mit kurzer, artenreicher Kräuterdecke und allenfalls lockerem Baumbewuchs: die Heidelerche etwa, die sich auch rund um Salzhausen gelegentlich hören lässt, Reptilien wie Kreuzotter, Ringelnatter und die seltene Schlingnatter, die unter anderem im Büsenbachtal vorkommt, Wiesenvögel wie Schafstelze, Kiebitz und Brachvogel, die sich nur dort zum Brüten niederlassen, wo sie freie Rundumsicht ums Nest haben. Für sie wurden in der Seeveniederung zugewucherte Seeufer großflächig freigeräumt.
„Mehr Licht“ ist auch bei der Pflege von Mooren wichtig. Denn die bleiben auf Dauer nur nass, wenn ihnen nicht Kiefern und Birken beständig das Wasser wegsaugen, weshalb diese Bäume gezielt gefällt werden. Nasse Moore sind nicht nur wichtige Lebensräume für Moorfrösche, Gagelsträucher und Wollgras, sondern tragen, als riesige Kohlenstoffspeicher, auch entscheidend zum Klimaschutz bei. Es ist daher absolut verständlich, dass die Umweltbehörde einen großen Teil ihrer Ressourcen auf die Wiederbelebung der Moorgebiete im Westen des Landkreises verwendet.
Vier typische Nordheide-Bewohner, die von Naturschutzmaßnahmen profitieren. Von links oben im Uhrzeigersinn: Fischotter, Schafstelze, Moorfrosch und Schlingnatter. Fotos © Niklas Banowski, Frank Derer, Marc Scharping, Steffen Zibolsky.
Als Salzhäuserin habe ich dennoch leise Neidgefühle gespürt, wenn ich in NaturPlus die Beschreibungen der vielen Moor- und Heideeinsätze lese. Denn in unseren Samtgemeinden sind einige pflegebedürftige Naturräume noch weitgehend unversorgt: die Pferdebach-Aue beispielsweise, die vom Kiesabbau bedroht ist, die Niedermoore an Nordbach und Hanstedter Aubach, die nach wie vor großflächig entwässert werden, und die Luhe, deren vor langer Zeit begradigtem Lauf mehr Kurven und Schleifen guttun würden. Und mit ihr vielen Arten, die am und im Fluss leben: Fischotter, Bachforellen, Neunaugen, Eisvögel und die Große Moosjungfer – eine seltene Libelle, die ich noch nie gesehen habe, obwohl ich regelmäßig an der Luhe unterwegs bin.
Alte Hute-Eiche am Langenberg in Wulfsen, nicht weit der Fläche, die unserer NABU-Gruppe gehört. Foto © Gitta Baeuerle
Es gibt aber auch in unserer Nähe Biotope, an denen die Umweltbehörde im vergangenen Jahr Hand angelegt hat, und ich bin gespannt, wie sie sich in Zukunft entwickeln werden: die behutsam entschlammten Teiche in Quarrendorf, in denen bald wieder Kammmolche und Springfrösche laichen werden, unser vereinseigenes Waldgrundstück bei Wulfsen, das mitsamt den umliegenden Huteeichen zu einem wertvollen „Trittstein“ für Neuntöter und Fledermäuse werden könnte, und die mit Baggerhilfe neu belebten Magerrasen am Nordbach, auf denen vielleicht schon im nächsten Frühjahr Bergsandglöckchen und Grasnelken sprießen.
Kleine Korrektur dazu: Die Nordbach-Magerrasen liegen nicht zwischen Luhdorf und Pattensen, wie es in NaturPlus steht, sondern zwischen Luhmühlen und Putensen. Ist leicht zu verwechseln. Aber vielleicht auch ein Indiz dafür, dass die Naturschützer des Landkreises öfter mal bei uns im Südosten vorbeischauen sollten :))
Falls jemand den Link oben übersehen hat: Hier kann man den Newsletter NaturPlus runterladen – alle Ausgaben seit 2012 und natürlich auch die aktuelle.





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Detlef (Freitag, 09 Januar 2026 12:18)
Liebe Johanna!
Zunächst von mir die besten Wünsche für einen guten und erlebnisreichen Verlauf von 2026 für Dich. Ich hoffe, Du bist gut ins neue Jahr gestartet.
Ganz lieben Dank, für Deinen schönen Artikel zu unserer NaturPlus und der Naturschutzarbeit der UNB. Wichtig ist, dass wir diese Aufgabe nicht alleine bewältigen können und vor diesem Hintergrund ist Dein latenter Aufruf an die ehrenamtlichen Unterstützer im Naturschutz mehr als hilfreich. Gleichzeitig befördern Deine Zeilen eine positive Sicht auf die doch so schwierige Welt im Naturschutz. Die können wir gerade in Zeiten, in denen die knapper werdenden Ressourcen eher für Waffen als für Bagger und Häcksler, die im Naturschutz gut eingesetzt werden können, ausgegeben werden, sehr gut gebrauchen. Und aus meiner Sicht das Wichtigste - die Botschaft, dass wir zusammenwirken statt gegeneinander arbeiten müssen. Das macht uns im Einsatz für die Natur erheblich resilienter. Deshalb freue ich mich immer sehr über die Unterstützung der Ehrenamtlichen.
Falls Du mal wieder auf einen gepflegten Cappuccino und ein gutes Gespräch Lust verspürst, melde Dich gerne.
Detlef
Johanna (Freitag, 09 Januar 2026 20:33)
Lieber Detlef,
auch Dir alle guten Wünsche fürs neue Jahr, und herzlichen Dank für Dein Feedback! Die Einladung zum Cappuccino nehme ich sehr gern an; vielleicht können wir sie wieder mit einem Winterspaziergang verbinden? Melde mich via Whatsapp.