Sie gehören zum Ortsbild unserer Dörfer wie Kirchtürme, hundertjährige Eichen und die Schützenumzüge im Frühsommer: Mehl- und Rauchschwalben, die ab Mitte April wieder zu Dutzenden um die Häuser flitzen. Damit sie auf Dauer bei uns bleiben, müssen wir jedoch mehr für sie tun. Ein aktuelles Beispiel aus Salzhausen zeigt, wie dringlich vor allem der Erhalt von Nistmöglichkeiten ist.
Es wird zurzeit viel gebaut im Landkreis. Was auch nötig ist, denn Wohnraum, zumal günstiger, ist knapp, auch in unseren Samtgemeinden. Leider hat der Bauboom eine meist unbeachtete Nebenwirkung für die Natur. Denn vor der Errichtung neuer Wohnhäuser werden oft alte Häuser abgerissen, die auf dem Baugrundstück stehen. Und mit ihnen verschwinden viele Quartiere von Gebäude bewohnenden Tierarten wie Schwalben, Mauersegler, Feld- und Haussperlinge, aber auch Fledermäusen und Wildbienen.
Ein Beispiel aus Salzhausen macht das besonders deutlich. An der Lüneburger Straße gegenüber den Penny/Rewe-Supermärkten wird die Kommunale Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises (KWG) ein Mehrfamilienhaus mit elf geförderten Wohnungen errichten. Dafür muss das jetzt dort stehende Haus weichen. Und das ist bitter, denn die Nr. 28 ist ein echter Vogel-Hotspot: Ich habe dort insgesamt 31 Mehlschwalbennester gezählt; 17 davon offenbar in jüngster Zeit benutzt, erkennbar an den weißen Kotspritzern auf der Hauswand darunter.

Kurzer Einschub für die Nicht-„Ornis“ unter Euch: Mehlschwalben sind die mit dem weißen Fleck auf der Schwanzwurzel; sie brüten, anders als Rauchschwalben, ausschließlich an den Außenwänden von Gebäuden, und zwar unter Dachvorsprüngen von mindestens vier Metern Höhe. Rauchschwalben – obendrauf glänzend blauschwarz, tief gegabelter Schwanz – brüteten ursprünglich, wie ihr Name schon sagt, gern in Schornsteinen und offenen Rauchfängen; heute lassen sie sich vor allem im Inneren offener Ställe nieder. (Rund ums Pferdesportzentrum Luhmühlen sind, nicht überraschend, besonders viele unterwegs). Uferschwalben – kleiner als Mehl- und Rauch-, oben staubgrau – brüten ausschließlich an lehmigen oder sandigen Abbruchkanten, in selbst gegrabenen Höhlen. Weshalb sie deutlich seltener sind als ihre Schwesterarten. (Vergangenes Jahr haben sie sich, zu unserer Freude, wieder an unserer vereinseigenen Nistwand bei Hanstedt niedergelassen; ich werde hier rechtzeitig Bescheid geben, wenn wir sie besuchen!)
Mehlschwalben sind nicht so wählerisch, was ihre Brutplätze angeht. Sie brauchen lediglich Wände mit ausreichend rauer Oberfläche, damit die aus Lehmkügelchen geformten Nester daran haften bleiben, außerdem sollten daran keine Kletterpflanzen hochranken, die Beutegreifer als Aufstiegshilfe nutzen könnten. Was Mehlschwalben außerdem schätzen, ist eine freie Ein- und Ausflugbahn, die nicht von Bäumen verstellt ist.
Rauchschwalben (oben) sind unter anderem an ihrer braunroten Kehle und dem tief gegabelten Schwanz erkennbar. Uferschwalben graben ihre Bruthöhlen auch in Sand- oder Kiesgruben. Mehlschwalben sammeln Baustoff für ihre Nester an einer Lehmpfütze. Fotos: © Christoph Moning (3), Miriam Link.
All das gilt es zu beachten, wenn man Ersatz für verlorene Mehlschwalben-Nistplätze schaffen will. Und dazu sind Bauträger per Gesetz verpflichtet. Leider ignorieren viele diese Pflicht; manche Hausbesitzer zerstören sogar bestehende Nester, was verboten ist und mit hohen Bußgeldern belegt werden kann. Das hat jedoch nicht verhindert, dass die Zahl der Mehlschwalben in Deutschland seit 1990 um knapp die Hälfte gesunken ist. Neben dem Verlust von Nistplätzen sind es vor allem der drastische Rückgang von Fluginsekten sowie Trockenheit und Flächenversiegelung, die den Vögeln zusetzen – sie brauchen dauerhaft feuchte Lehmpfützen im näheren Umkreis, um daraus Baumaterial für ihre Nester zu gewinnen.
Die KWG des Landkreises Harburg gehört zu den Bauträgern, die ihre Artenschutz-Pflichten ernstnehmen – so zumindest mein Eindruck. Vergangene Woche hatte mich die Naturschutzbehörde des Landkreises eingeladen, um gemeinsam mit dem zuständigen Architekten zu beraten, wie man den Schwalben am besten zu neuen Quartieren verhelfen könnte.
Die Herausforderung besteht dabei darin, dass Schwalben, ähnlich wie Mauersegler, äußerst ortstreu sind. Sie verzichten eher aufs Brüten, als dass sie an einen neuen Standort umziehen. Aus diesem Grund bleiben sogenannte Schwalbentürme, auf Pfosten montierte künstliche Kolonien, häufig auch dann leer, wenn es in ihrer Umgebung reichlich Schwalben gibt.
Am ehesten lassen sich „obdachlos“ gewordene Vögel an Gebäuden in der Nähe ihrer alten Kolonie neu ansiedeln, vor allem solchen, wo schon Artgenossen brüten. Wenn man dort Kunstnester installiert, stehen die Chancen gut, dass sie schon bald besetzt werden.

Solche schwalbentauglichen Häuser muss man aber erstmal finden. Die Zeiten, in denen an jedem dritten Haus im Dorf eine Schwalbenkolonie klebte, sind leider vorbei. Deshalb habe ich vor einigen Tagen eine kleine Exkursion durch Salzhausen unternommen, um herauszufinden, wohin die geflügelten Bewohner der Lüneburger Straße 28 am besten umziehen könnten. Ich bin zum Glück fündig geworden. Zwar nicht in direkter Nähe des Schwalben-Hotspots – die benachbarten Häuser sind überwiegend einstöckig oder haben einen zu geringen Dachüberstand. Aber an einem Dutzend Adressen vor allem im Zentrum von Salzhausen habe ich Schwalbennester entdeckt, zum Teil sogar mehrere. Der Haidmarkhof zum Beispiel – die Salzhäuser unter Euch kennen ihn – beherbergt eine Kolonie mit 21 Nestern. Und bietet noch Platz für weitere.
Alle Adressen habe ich an Bauträger und Naturschutzbehörde des Landkreises übermittelt. Jetzt ist die Salzhäuser Gemeindeverwaltung am Zug. Sie muss genügend Besitzer dieser schwalbentauglichen Immobilien davon überzeugen, weitere Kunstnester an ihren Gebäuden anbringen zu lassen. Eigentlich sollte das nicht allzu schwierig sein – schließlich weiß jeder, dass Schwalben Glück bringen! (Und gegen die weißen Kleckse an der Hauswand lassen sich Schutzbretter anbringen).
Ich werde in den nächsten Wochen weiter nach Schwalbennestern suchen. Und falls Ihr welche kennt – nicht nur Schwalben-, sondern auch Mauersegler-Nistplätze in Salzhausen wie den umliegenden Dörfern: Gebt mir gern Bescheid! Diese Daten sind für den Naturschutz Gold wert. Denn sie helfen zu verfolgen, wie sich die Populationen unserer gefiederten Mitbewohner entwickeln. Und zeigen an, wo und wie wir ihnen am wirksamsten „unter die Flügel“ greifen können.





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Frickel (Freitag, 20 März 2026 16:09)
Am Bohnenberg 3 gibt es ca. 8 Schwalbennester und Mauersegler verkehren dort auch. Lg
Johanna (Freitag, 20 März 2026 17:19)
Danke für den Hinweis! Das Haus haben wir auch schon „auf dem Schirm“ und hoffen, dass die Schwalben es weiterhin als Quartier nutzen (dürfen). Dass dort auch Mauersegler nisten, wussten wir nicht - das ist toll!!
Christiane Schulz (Donnerstag, 07 Mai 2026 19:06)
Liebe Johanna, bei uns in Vierhöfen im Einemhofer Weg 13 nisten Rauchschwalben und gegenüber am sind 26 (!!!)
Nester, meistens alle besetzt.
Johanna (Freitag, 08 Mai 2026 12:46)
Das ist ja großartig, Christiane! Spricht auch dafür, dass bei Euch noch genügend Insekten über die Wiesen schwirren. Die 26 Nester am Gebäude gegenüber – sind das alles Rauch- oder vielleicht auch Mehlschwalben? Wenn sie "am" Gebäude, also außen, nisten, spricht es eher für Letztere.
Frickel (Dienstag, 02 Juni 2026 17:16)
Am Bohnenberg 3 haben sich nun langsam wieder die Mauersegler eingefunden. Auch die Schwalben sind fleißig am Bauen. Richtig was los in der Luft. :)
Johanna (Dienstag, 02 Juni 2026 17:27)
Mauersegler!! Das ist ja toll, die hab ich noch nicht entdeckt dort. Aber die Schwalben füttern fleißig; drei besetzte Nester hab ich unterm Dach von Nr. 3 gezählt. Jetzt müssen sie nur noch die neu angebrachten Nester an der Ostseite der Grundschule entdecken...
Anwohner (Montag, 08 Juni 2026 09:30)
Die Mauersegler sind seit ca.14 Tagen am Bohnenberg 3.
Hauptsächlich morgens und abends fliegen sie mit ihrem typischen geschrei herum.
Ob sie brüten kann ich leider nicht erkennen aber die Schwalben bauen fleißig weiter an ihren Nesten.
Johanna (Montag, 08 Juni 2026 14:11)
Danke, Anwohner! Ich bin den Mauerseglern auch noch nicht auf die Spur gekommen – sie nisten vorzugsweise an höheren Gebäuden, meist in Nischen oder Mauerritzen direkt unterm Dach – aber ich werde demnächst mal zur passenden Zeit am Bohnenberg vorbeischauen; irgendwo in der Nähe müssen sie ja untergekommen sein.