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Achtung, seltenes Flugobjekt! Warum es zurzeit besonders spannend ist, Natur zu beobachten

Gehört Ihr auch zu der Sorte Leuten, die nie, NIE ohne ihr Smartphone aus dem Haus gehen? Wenn ja: Gut so! Spannende Naturbeobachtungen machen doppelt und dreifach Freude, wenn man sie durch Fotos dokumentieren und später teilen kann. Hilke Beer aus Salzhausen hatte zum Glück ihr Handy griffbereit, als neulich in einer Wiese neben ihr ein Schwarzstorch landete. Dieser seltene und auch sehr scheue Verwandte unseres Weißstorchs ist normalerweise nur in alten Wäldern mit Still- und Fließgewässern zu finden. Er war nicht der einzige ungewöhnliche Vogel, der in den vergangenen Tagen in unserer Gegend zu sehen war. Und vielleicht immer noch ist!

 

Wenn Ihr, wie ich, häufiger draußen unterwegs seid, wisst Ihr: Natur ist immer für Überraschungen gut. Da geht man einen Weg entlang, an dem man, sprichwörtlich, jeden Baum mit Vornamen kennt und jeden Feldhasen wie einen alten Bekannten begrüßen kann. Hunderte Male fällt einem entlang der Strecke nichts Ungewöhnliches auf. Aber beim 101. Mal läuft oder fliegt etwas über den Weg, das man nie zuvor gesehen hat, tönt eine Stimme aus dem Gebüsch, die anders klingt als das seit Jahren vertraute Vogelgezwitscher.

Ein Vogel mit ausgebreiteten Flügeln steht auf einer frisch gemähten Wiese, im Hintergrund Wald und dahinter 4 Windräder.
Lange Beine, pechschwarzes Gefieder: Schwarzstörche sind unverkennbar, aber auch sehr selten. Wir hoffen, dass dieses Exemplar auch künftig einen weiten Bogen um die Windräder im Hintergrund machen wird. Foto © Hilke Beer

Es sind nicht zufällig vor allem Vögel, die für solche Natur-Überraschungen sorgen. Schließlich sind sie die auffälligsten und mobilsten Tiere überhaupt, und sie geben auch die schönsten Bilder ab – wenn sie einem den Gefallen tun, ein paar Sekunden lang stillzuhalten, bis man das Handy gezückt und scharfgestellt hat.

 Einige dieser Bilder möchte ich hier mit Euch teilen. Es sind nicht meine, sondern die von Naturfreundinnen und -freunden aus Salzhausen und Umgebung, die so liebenswürdig waren, mir ihr OK für die Veröffentlichung hier zu geben.

 

David Rieckmann hat in der Nähe des Dorfs ein Kornweihen-Paar gesichtet – nicht zum ersten Mal übrigens. Wenn diese beiden Greifvögel sich hier zum Brüten niederließen, wäre das eine kleine Sensation, denn Kornweihen sind mittlerweile fast nur noch im Winter und zeitigen Frühjahr bei uns zu Gast. Die Lebensräume, in denen sie früher heimisch waren – Moore, Heiden und feuchtes Grünland – sind in Deutschland fast vollständig zerstört worden.

Zwei Kornweihen im charakteristischen bodennahen Suchflug: links das Männchen, erkennbar an seinen hellgrauen Flügeln mit schwarzen Spitzen, rechts das eher unauffällig braun gemusterte Weibchen. Fotos © David Rieckmann

Maike Hünecke und Matthias Schuh aus Vierhöfen haben einen Schwung junger Waldohreulen entdeckt – sogenannte Ästlinge, die schon das Nest verlassen haben, aber noch nicht fliegen können. Weshalb sie noch einige Tage/Wochen von ihren Eltern gefüttert werden. Falls Ihr in den nächsten Nächten irgendwo hohe, durchdringende Schreie hört: Das sind junge Eulen, die nach Futter rufen. Waldohreulen sind bei uns nicht sooo selten, aber da sie nachtaktiv sind und tagsüber meist still in dicht belaubten Bäumen hocken, bleiben sie oft "unterm Radar". 

 

Ich teile diese Beobachtungen übrigens nicht nur hier: Daten zum Vorkommen von Vögeln, aber auch anderen Tier- und Pflanzenarten, sind ein wertvoller „Rohstoff“ für den Naturschutz. Sie zeigen an, wie sich die Populationen einzelner Arten entwickeln, welche zunehmen oder sich rar machen, und wo die Schwerpunkte der jeweiligen Vorkommen liegen. Auf Basis dieser Daten werden nicht nur zielgenaue Schutzprogramme entwickelt – sie liefern auch hieb- und stichfeste Argumente gegen den allgemeinen Rollback in der Natur- und Umweltschutzpolitik, den wir zurzeit erleben.

Etwa vier Wochen alt sind die kleinen Waldohreulen, die in der Krone eines Baums auf Fütterung durch ihre Eltern warten. Erst im Altern von etwa elf Wochen werden sie ihre ersten eigenen Mäuse erbeuten. Foto © Maike Hünecke 

Die Plattform, auf der ich Vogelbeobachtungen dokumentiere, heißt ornitho; jeder und jede kann sich dort kostenfrei registrieren. Man muss kein erfahrener „Orni“ sein, um die Eingabemaske bedienen zu können; auch ist die Plattform nicht auf seltene Arten fokussiert, im Gegenteil: Gerade die Meldungen zum Vorkommen von „Allerweltsvögeln“ machen den Grundstock des Datenschatzes aus, denn oft sind es die häufigen Arten, deren Populationen besonders deutlich auf Umweltveränderungen reagieren. Also meldet unbedingt auch die Amseln, Rotkehlchen, Buchfinken und andere häufige Arten, die Ihr in Eurer Umgebung beobachtet!

 

Wichtig auch: Man kann auf ornitho.de Daten verschlüsselt eingeben, also so, dass die genauen Koordinaten einer Beobachtung nur für jenen (kleinen) Kreis von Experten sichtbar sind, die sie statistisch auswerten. Das habe ich bei den oben gezeigten Vögeln auch so gemacht, und natürlich verrate ich auch hier nicht, wo genau sie gesichtet wurden. Es gibt nämlich, leider, eine Sorte von Naturliebhabern, denen ein tolles Foto so wichtig ist, dass sie bedenkenlos querfeldein laufen oder sich in unmittelbarer Nähe zu Nestern postieren. Die sollen lieber wegbleiben.

Aber zwei meiner eigenen Beobachtungs-Highlights erzähle ich hier doch, zum Nacherleben:  In der Nordbach-Niederung und bei Lobke sind zurzeit  Pirole zu hören (gesehen habe ich sie leider nicht), und wenn ihr mal wieder einer echten Nachtigall lauschen wollt: Geht frühmorgens oder spätnachmittags den kleinen Rundweg um den Eyendorfer Friedhof. Der ist auch so wunderschön, dank der großen Streuobstwiesen, die dort in den vergangenen Jahren angelegt worden sind. An der Ostseite, wo die alten Eichen stehen, könnt ihr Luscinia megarhynchos schlagen hören.

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