Zwei Vogelfreude aus Salzhausen und Quarrendorf haben uns ihre Fotos geschickt und erlaubt, sie hier zu posten (danke dafür!) Die Aufnahmen zeigen beispielhaft, was es in unserer Gegend an Naturvielfalt zu sehen gibt – wenn man nur aufmerksam genug hinschaut.
Was uns an den Aufnahmen von David Rieckmann und Luk Noah Behnke besonders gefällt: Sie zeigen Vögel inmitten ihrer natürlichen Umgebung. Und so, wie man sie als Beobachter wahrnehmen sollte: nämlich immer aus rücksichtsvoller Distanz. Gerade so nah, dass man sie mit Fernglas, Handy-Zoom oder einem schlichten Teleobjektiv identifizieren kann, aber doch immer weit genug entfernt, um sie nicht zu beunruhigen oder gar zu verscheuchen.

Diese Art von Bildern sind uns viel lieber als die superduper, ultrahoch aufgelösten, jeden Federkiel einzeln zeigenden Nahaufnahmen, die in Sozialen Medien oder einschlägigen Vogel-Foren präsentiert werden. Wir betrachten solche Fotos grundsätzlich mit Argwohn, weil wir wissen, mit welchen Methoden sie – nicht immer, aber immer noch zu oft – zustande kommen.
Es gibt Fotografen (ja, meistens Männer), die sich in der Natur benehmen wie die sprichwörtliche Axt im Walde. Sie marschieren querfeldein durch Naturschutzgebiete, um scheue Bodenbrüter aufzuspüren, sie locken Eulen mit Mäuseködern an, sie trampeln auf Sand- und Lehmkliffs herum, um die darunter nistenden Bienenfresser aus ihren Brutröhren aufzuscheuchen und sie beim Abflug „abschießen“ zu können. Klingt unglaublich, aber sowas passiert leider – wir wissen es von Vogelfreunden unseres Vertrauens, die es mit eigenen Augen gesehen haben.
Die Vogel-Highlights des Monats Juli sind dagegen in der normalen Feld- und Wiesenlandschaft aufgenommen worden, von öffentlichen Wegen aus. Ihr könnt alle abgebildeten Arten, mit etwas Glück, beim Sonntagsspaziergang oder einer Radtour entdecken.
Gut – bei manchen braucht es schon ziemlich viel Glück. Etwa beim Blaukehlchen, diesem Gesamtkunstwerk aus blauem Federschmuck und betörendem Gesang, das sich gelegentlich an mit Schilf gesäumten Gräben niederlässt, aber in unserer Gegend noch sehr selten ist. Oder beim Flussregenpfeifer, der ursprünglich vor allem auf Kiesbänken an und in naturnahen Flüssen nistete, seit einiger Zeit aber auch auf „Ausweichquartiere“ wie frisch ausgehobene Baugruben oder Bodendeponien ausweicht. Oder eben auf kahle Äcker wie den in Quarrendorf. (Als dort die ersten Spinatpflanzen sprossen, berichtet Luk Behnke, machten die Vögel leider den Abflug; sie fühlen sich wirklich nur auf blanker, steiniger Erde wohl).

Die übrigen gezeigten Arten sind dagegen wesentlich häufiger und auch außerhalb der Balzzeit leicht zu sichten.
Die Schafstelze, unverkennbar dank leuchtend gelber Brust und langem Schwanz, flattert über feuchten Wiesen, Kornfeldern und sogar Maisäckern – eine Spezialistin für das Auffinden letzter bruttauglicher Nischen inmitten monotoner Nutzpflanzenflächen. Bluthänflinge und Stieglitze, ebenfalls typische Vögel der offenen Landschaft, nisten vor allem in dichten Feldhecken, schauen aber auch öfter mal in Gärten innerorts vorbei (und singen dort auch jetzt noch ab und zu, ebenso melodisch wie markant). Das Schwarzkehlchen sieht man oft auf Zaunpfählen oder -drähten hocken, von wo es zur Futtersuche (und zum Füttern seiner Jungen) auf den Boden fliegt.

Am Boden findet auch der Grünspecht seine Hauptnahrung, nämlich Ameisen. Seinen Nachwuchs zieht er in Höhlen alter Bäume groß, die es in unseren Samtgemeinden zum Glück noch reichlich gibt.
Auch Spatzen pfeifen noch in erfreulich großer Zahl von den Dächern unserer Dörfer. Weniger erfreulich ist, dass sich mittlerweile nur noch Haussperlinge bei uns behaupten. Feldsperlinge, früher eine unserer häufigsten Vogelarten überhaupt, haben dagegen seit 2020 in weiten Teilen Deutschlands und Westeuropas einen regelrechten Absturz erlebt; sie sind auch aus unserer Region fast völlig verschwunden. Die Ursachen sind bis heute nicht geklärt. Wobei mit Sicherheit die intensive Landwirtschaft eine Rolle spielt – die Vögel sind, anders als ihre „Schwesterart“, fast ausschließlich in der offenen Landschaft zuhause.
Falls jemand von Euch Feldsperlinge sichtet: Schickt uns gern eine Mail, am besten mit Fotobeleg! Woran ihr sie erkennt bzw. vom Haussperling unterscheidet, steht hier.
Natürlich freuen wir uns auch über andere Beobachtungen. Demnächst beginnt die Hoch-Zeit des Vogelzugs – dann machen gelegentlich auch ungewöhnliche Arten bei uns Station. Haltet die Augen offen – und lasst sie nicht als unbekannte Flugobjekte entkommen!






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